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Bekannter Dialer-Anwalt sitzt in U-Haft

Abgelegt unter: Recht | Autor: Redaktion | 17. September 2004

Ein berühmt-berüchtigtes Mitglied der Internet- und Dialer-Szene, seines Zeichens Rechtsanwalt, soll Medienberichten zufolge mit illegalen Downloads einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe angerichtet haben und sitzt jetzt in U-Haft.

Am gestrigen Donnerstag berichtete sogar das Fernsehen darüber: Im Rahmen einer groß angelegten Polizeiaktion des Thüringer Landeskriminalamts gegen professionelle Anbieter von Raubkopien wurde am Donnerstag auch eine Münchner Anwaltskanzlei durchsucht. Gegen Kanzleiinhaber Bernhard S., in der Internet-Szene beileibe kein Unbekannter, wird jetzt den Berichten zufolge unter anderem wegen des Verdachts der Geldwäsche, der Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie massiver Verstöße gegen das Urheberrecht ermittelt.

Zweistelliger Millionenschaden

So soll der Anwalt unter anderem neue Kinofilme bereits wenige Tage nach dem Start zum Download angeboten haben. Einige Computerspiele sollen sogar noch vor dem offiziellen Start über die Webseite verfügbar gewesen sein. Bernhard S. soll in erster Linie die Geldtransfers abgewickelt haben, die offenbar an eine Briefkastenfirma in der Karibik umgeleitet wurden.

Gemeinschaftsarbeit

Eingebunden in die Ermittlungen waren neben Polizei und Staatsanwaltschaft auch die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), die Computerzeitschrift c’t und die Zeitung Der Tagesspiegel. Die GVU vermutet, dass es sich um den “vermutlich weltweit größten Schlag gegen kommerzielle Warez-Download-Anbieter” handeln könne. Der Schaden soll mindestens in zweistelliger Millionenhöhe liegen.

Ein Jurist als Wolf im Schafspelz

Bernhard S., der wegen Verdunkelungsgefahr jetzt in Untersuchungshaft sitzt, hatte einige Dialer-Seiten als Rechtsbeistand beziehungsweise als Admin-C betrieben und war zuletzt durch dubiose Vorwürfe an Verbraucherportale aufgefallen. So hatte er im Mai dieses Jahres die Portale Computerbetrug.de und Dialerschutz.de wegen angeblicher Verstöße gegen das Rechtsberatungsgesetz abgemahnt. In den Foren der Portale wurde regelmäßig über Dialerbetrug und mögliche Schutzmaßnahmen diskutiert. Pikant, dass ausgerechnet eine von S. betriebene Dialer-Firma mehrfach auf der schwarzen Liste der Regulierungsbehörde aufgetaucht war – der Liste derjenigen Anbieter, denen wegen Rechtsverstößen nachträglich die Erlaubnis zum Betrieb des Dialers entzogen wurde.




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