Die SMS: Vom Abfallprodukt zum Lieblingskind
Der so genannte Short Message Service, wie die SMS ausgeschrieben heißt, ist die mit Abstand beliebteste Handy-Anwendung - auch in Zeiten von iPhone und Co. Die Mobilfunker freuen sich, denn der SMS-Service kostet sie kaum Geld, bringt aber Riesen-Umsätze ein. Viele bezeichnen die SMS denn auch als die Melkkuh der Netzbetreiber, die mit dem unkomplizierten Service deutlich mehr Geld verdienen als mit den Telefonminuten.
Der Clou: Eigentlich ist die SMS ein Abfallprodukt, das nicht zur Serienreife gelangen sollte. Die Netzbetreiber konnten sich damals überhaupt nicht vorstellen, dass ein derart anspruchsloser Dienst irgendwelche zählbaren Interessenten finden sollte. Die SMS hat es nur ganz zufällig nach oben in die Beliebtheitslisten gebracht; den Providern war es zu Anfang fast peinlich, mit diesem Rudimentär-Service zu werben. Doch als klar war, welche Beliebtheit die SMS erlangen würde, hinderte das ehemals schamvolle Vorgehen die Anbieter später nicht daran, pro SMS einen vergleichsweise hohen Preis zu verlangen.
Ohne die vielen Discounter auf dem deutschen Mobilfunkmarkt würde hierzulande wohl jeder Kunde nach wie vor 20 Cent pro Nachricht zahlen - ein Preis, der angesichts des Minimal-Aufwands für die Netzbetreiber kaum zu rechtfertigen ist. Doch inzwischen gibt es etliche Anbieter, die pro SMS nur noch zehn Cent verlangen, in Community-Tarifen teilweise sogar nur vier oder fünf Cent. Doch auch heute gibt es noch viele Tarife, gerade bei den arrivierten Anbietern, in denen an die 20 Cent pro Kurznachricht gezahlt werden muss. Niedrigere Preise waren früher nur dann möglich, wenn man ein SMS-Paket gebucht hatte.
Doch wenn sich neueste Umfragen bewahrheiten, könnte die SMS demnächst von der mobilen Internetnutzung als beliebteste Handy-Anwendung vom Thron gestoßen werden. Ob das tatsächlich so weit kommt, ist indes völlig offen. Das mobile Internet ist nämlich im Gegensatz zur SMS der ersten Stunde ein Lieblingsprodukt der Mobilfunker, die lieber heute als morgen richtig Geld damit verdienen wollen würden. Doch wie so oft hat man möglicherweise auch hier die Rechnung ohne den Kunden gemacht - der lieber eine simple Kurznachricht schickt, anstatt sich mit komplizierten Download-Funktionen seines Handys zu beschäftigen. Und dann zu Hause in aller Ruhe über DSL online geht.

