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Betrug im Internet: Was man machen kann (UPDATE 2)

Oliver W. Oliver W.

Der Fall Opendownload.de hat gezeigt, dass es mittlerweile eine große Anzahl von Internetnutzern gibt, die auf vielfältige Art und Weise im Internet geprellt wurden. Mal ist es eine Abofalle mit darauf folgenden Mahnungen von Inkasso-Unternehmen und mal ein eBay-Händler, der nicht liefert, obwohl schon gezahlt wurde. Doch Sie müssen den Betrügern des Internets nicht tatenlos gegenüber stehen. Wir geben Ihnen Ratschläge, was Sie tun können, wenn Sie das Gefühl haben, Opfer krimineller Machenschaften geworden zu sein. UPDATE: Ermittlungsverfahren eingestellt

Die Staatsanwaltschaft hat zwischenzeitlich das Ermittlungsverfahren gegen Akkumarkt eingestellt. Der "Schaden" sei wieder gut gemacht worden und zum derzeitigen Zeitpunkt habe kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestanden. Der Fall ist jedoch aktenkundig, Akkumarkt hätte bei erneuten Beschwerden nicht mehr mit Nachsicht zu rechnen. UPDATE: Reaktion des Händlers

Ende gut, alles gut? Der Händler hat zwischenzeitlich reagiert und dem Kunden das Geld zurücküberwiesen. Auch der Autor dieses Artikels fühlte sich noch bis vor geraumer Zeit gut gewappnet für den Fall, dass er einmal auf einen dubiosen Internethandel reinfallen sollte. Ja, er dachte sogar, dass es nicht einmal soweit kommen würde. So erging es ihm auch Ende März, als er über den Internetshop akkumarkt einen Ersatzakku für seinen Camcorder bestellte. Der Preis hörte sich gar hervorragend an: Nicht einmal 30 Euro für einen leistungsfähigen Kamerakku. Wie geschenkt! Auch die Website des Händlers machte einen seriösen Eindruck. Sie war professionell gestaltet und wer würde schon vermuten, dass sich der Onlinekauf von einem Akku als Beginn einer Odyssey herausstellen kann? Also orderte unser Kunde umgehend den "Akku für SONY DCR-TRV8E" zum Preis von 25,17 Euro. Die Lieferung sollte prompt erfolgen, auch dachte der Akkukäufer, dass dies durch die Vorkasse beschleunigt werden könnte. Das Geld überwies er also drei Tage später auf das Konto der Firma Akku Markt.

**Das lange Warten beginnt ...

**Die Tage verstrichen und es erfolgte keine Lieferung. Obwohl die Bestellmail den Eingang längst bestätigte, machte sich der Käufer so langsam Gedanken. Eine Erinnerungsmail Anfang April beantwortete akkumarkt nicht. So langsam setzte ein mulmiges Gefühl ein: War man auf einen Händer reingefallen, der nicht liefert und mit dem Geld verschwindet? Akkumarkt ForumEs schien so: Eine Internetrecherche ergab, dass die Firma akkumarkt schon bei einigen Kunden für einen negativen Eindruck gesorgt hatte. So beschweren sich manche über nicht funktionierende Akkus, andere erhielten auch keine Lieferung. Einige nutzen sogar das Wort "Online Betrug" im Zusammenhang mit dem doch so seriös wirkenden Onlineversand.

**Abgezockt: Was kann ich tun, wenn es schon zu spät ist?

**Doch was kann man als Internetnutzer tun, um sich gegen Internetbetrug zur Wehr zu setzen? Zuerst muss gesagt werden, dass eine per Vorkasse getätigte Überweisung nicht so ohne Weiteres zurückgeholt werden kann. Falls Sie Vorkasse geleistet haben, schicken Sie dem Händler erst einmal eine freundliche Erinnerungsmail und fragen ihn, wo die Lieferung bleibt. Wenn Sie nach einer Woche noch keine Antwort erhalten haben, können Sie es einmal telefonisch versuchen. Aber machen Sie sich auch hier keine großen Hoffnungen: Wahre schwarze Schafe gehen selten ans Telefon, wenn sie schon keine Mails beantworten. Wichtig: Dokumentieren Sie jeden Schriftverkehr mit dem Händler, dies ist von Bedeutung für die spätere Beweisführung. Sollte eine Kontaktaufnahme per Mail fruchtlos bleiben, wird es Zeit für eine Erinnerung per Brief. Verfassen Sie ein Anschreiben, in dem Sie dem Händler eine Frist von sieben bis zehn Tagen zur Lieferung setzen. Noch konsequenter, und im Verdachtsfall eines Betrugs sicherlich sinnvoll, ist es, gleich vom Kaufvertrag zurückzutreten. Bei einer Internetbestellung ist das Fernabsatzgesetz auf Ihrer Seite: Gemäß §3 Abs. 1 Satz 1 FernAbsG und § 361a BGB (Fernabsatzgesetz) haben Sie die Möglichkeit, eine gemachte "Willenserklärung" zurückzuziehen. Dies bedeutet im Konkreten, dass der Vertrag rückgängig gemacht und damit die Bestellung nichtig wird. Der Händler ist dazu verpflichtet, Ihnen das Geld zurück zu überweisen. Geben Sie also auch gleich Ihre Bankverbindung mit an. Dass Sie das Geld auf diesem Weg wieder bekommen, ist in Fällen der Abzocke im Internet leider nicht zu erwarten, sonst hätten Sie ja Ihr Ziel erreicht. Es geht einzig und allein darum, Ihnen zustehende Rechte zu nutzen. Zurück zum Brief: Abschließend können Sie noch ankündigen, im Falle einer ausbleibenden Reaktion oder Nicht-Erfüllung der Forderung rechtliche Schritte einzuleiten. Wichtig: Drohen Sie keinesfalls mit Strafanzeige, dies könnte als Nötigung aufgefasst werden! Tüten Sie den Brief ein und schicken ihn per Einschreiben (eigenhändig) und Rückschein an den Händler. Dies kostet zwar ein paar Euro, Sie haben jedoch eine weitere Aktennotiz über Ihren Fall. So gesammelte Schriftstücke werden später noch wichtig sein. In unserem Fall von akkumarkt erhielt der Kunde nach ein paar Tagen tatsächlich den Rückschein, er wurde jedoch nicht, wie als Empfänger angegeben, vom Akkumarkt-Inhaber, sondern einer anderen Person unterschrieben. Auch nach diesem Einschreiben reagierte der Akkuhandel nicht und vom Geld, geschweige denn von der Lieferung, fehlt weiterhin jede Spur.

**Akkumarkt: Strafanzeige wegen Betruges

**Nachdem die Kontaktaufnahme mit Akkumarkt Sande verlief, entschied sich der Kunde zur Einleitung des vorerst letzten Kapitels: Erstattung einer Strafanzeige. Falls auch Sie an dem Punkt angelangen sollten, stellen Sie alle Briefe und Mails zusammen, die Sie an den Händler geschickt haben. Kopieren Sie auch etwaige Überweisungsvorgänge (Screenshots vom Onlinebanking) und drucken Bestellbestätigungen aus. Alle was dazu dienen kann, Ihre eigene Position zu untermauern, sollte dokumentiert werden. Weiterer Tipp: Teilen Sie bei der Erstellung der Anzeige auch etwaige URLs mit, unter denen ersichtlich wird, dass Sie nicht der einzige geprellte Kunde sind. Googlen Sie also den Namen der Firma und drucken Sie Beiträge aus Diskussionsforen aus oder auf Meinungsportalen, die von anderen Geprellten stammen. Wie schon gesagt: Alles kann hilfreich sein. In Ihrem Schreiben zur Anzeige dokumentieren Sie den Verlauf des Falls und stellen ausdrücklich "Strafanzeige wegen Betruges". Schicken Sie den Brief an die Ihnen nächstgelegene Staatsanwaltschaft ab. Natürlich können Sie auch bei jeder Polizeidienststelle eine Anzeige aufgeben, die Beamten dort sind jedoch nicht immer gut darauf vorbereitet, solche Betrugsfälle im Detail aufnehmen zu können. Gerade bei einer großen Menge an Schriftverkehr kann die Dokumentation einige Zeit in Anspruch nehmen.

**Geld auf Nimmerwiedersehen?

**Nachdem Sie die Strafanzeige abgeschickt haben, sollte Sie erst einmal mit dem Fall abschließen und sich um wichtigere Dinge kümmern. Sie haben alles getan, was Sie tun können und müssen jetzt erst einmal abwarten. Die Bearbeitung durch die Staatsanwaltschaft kann einige Zeit in Anspruch nehmen, nicht zuletzt weil die Anzeige oft noch weitergeleitet wird, bis sie ihren wahren Bestimmungsort erreicht hat. Natürlich wäre es auch denkbar, einen Mahnbescheid zu erstellen, doch kostet dieser Geld und der Autor dieses Artikels verzichtete auch nicht zuletzt wegen der geringen Summe von ca. 30 Euro auf diesen Schritt. Auch ein Anwalt ist teuer. Falls Sie über Rechtsschutz verfügen, können Sie jedoch bei diesem anfragen. Eine weitere Anlaufstelle könnte der Verbraucherschutz sein.

**Damit es nicht soweit kommt

**Doch was kann ich tun, damit es erst nicht soweit kommt? Dafür unsere Quicktipps: * Informieren Sie sich noch vor einer Bestellung im Internet über den Händler. Besuchen Sie Meinungsportale wie dooyoo.de oder ciao.de, um sich mehrere Meinungen einzuholen. Oft fördert auch schon die Eingabe des Namens bei Google interessante Ergebnisse zu Tage (siehe "akkumarkt"). * Zahlen Sie niemals per Vorkasse! Bestehen Sie auf Nachnahme. Händler, die alternative Zahlungsmethoden nicht anbieten, können sorglos als unseriös bezeichnet werden. Auch denkbar wäre per Abbuchung: Eine Kontoabbuchung kann problemlos rückgängig gemacht werden. Absehen sollten Sie auch von Zahlungen per Kreditkarte. * Insbesondere bei eBay-Händlern: Schauen Sie sich die Bewertungen des Mitglieds an und betrachten Sie ominös anmutende Zahlungsmöglichkeiten über Drittanbieter und unbekannte "Treuhanddienste" mit Skepsis. Je höher der Betrag, um den es geht, ist, umso höher sollte Ihre Vorsicht ausfallen. Im Zweifelsfall lieber nicht bestellen, um sich nicht unnötig Ärger zu machen. Es kommt eher selten vor, dass nur ein Händler das gewünschte Produkt führt. Auf Preisvergleichsseiten wie geizhals.at/de können Sie seriöse Händler ausfindig machen, die sogar günstiger sein können.

Sind Sie auf einen Internetbetrug reingefallen? Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen, vielleicht greifen wir Ihren Fall einmal in einem Beitrag auf: redaktion (at-Zeichen) shareware.de.

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