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Aufgeschnappt: Freud und Leid der Musikindustrie

Oliver W. Oliver W.

Legale Musikangebote im Internet werden immer bekannter, das freut die Musikindustrie. Doch sie hat jetzt ein Problem: Wie kann es sein, dass ein Song, der kostenlos im Web zu haben ist, die Charts stürmt?

Eine aktuelle Studie im Auftrag des internationalen Tonträgerverbandes IFPI belegt, dass legale Musikangebote im Internet in Deutschland immer stärker bekannt sind und auch genutzt werden. Demnach kennen 62 Prozent aller Personen in Deutschland unter 30 Jahren solche legalen Angebote - eine Zunahme um rund 15 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Geändert hat sich auch das Nutzerverhalten: 64 Prozent aller User, die Musik tatsächlich aus dem Internet herunterladen, nutzen laut der Studie dafür legale kommerzielle Angebote und Künstlerwebseiten.

Was illegal ist, weiß fast jeder

Weiterhin ergab die Studie, dass 75 Prozent der Deutschen Kenntnis davon haben, dass Musikangebote in Tauschbörsen häufig illegaler Natur sind. 66 Prozent aller Befragten in Deutschland denken, dass die eingeleiteten Rechtsverfahren gegen illegale Anbieter abschreckend wirken - wenig verwunderlich angesichts der drastischen Vorgehensweise der IFPI.

Nicht berichtet wurde hingegen von dem jüngsten Imageproblem, dass der Verband mit seiner Kampagne gegen Tauschbörsen haben dürfte. Bekanntermaßen ist ein zentraler Bestandteil der IFPI-Kampagne die Behauptung, dass das Angebot kostenloser Musikdownloads für den deutlichen Rückgang der CD- und DVD-Verkaufszahlen verantwortlich zeichne.

"Schnappi": Ein Problem für die IFPI-Kampagne

Den Gegenbeweis tritt derzeit ausgerechnet ein kleines grünes Krokodil an: Der "Schnappi"-Song war lange Zeit als kostenlose MP3 im Web zu haben und wurde durch das Medium Internet überhaupt erst bekannt. Nun führt der Song seit Wochen die Charts an - "Schnappi" ist immer noch kostenlos im Internet zu haben, doch die Single wird trotzdem gekauft. Ein Schelm, wer das für Zufall hält.

Die angesprochene Studie wurde von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Österreich, Italien und Frankreich durchgeführt. Befragt wurden 1000 Personen je Land, in Dänemark 500.

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