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Emsdetten: Stimmen aus der Spiele-Branche

Jan W. Jan W.

Nach dem Amoklauf in Emsdetten letzte Woche warnt die Branche vor übereilter Schuldzuweisung und ruft zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der interaktiven Unterhaltung auf.

Der Amoklauf eines Schülers in Emsdetten vor einer Woche hat erneut die Diskussion um die so genannten "Killerspiele" unter Politikern, Eltern, Lehrern und in den Medien entfacht. In den Blickpunkt der Öffentlichkeit ist dabei zum wiederholten Male das Computerspiel "Counter-Strike" geraten. Vielerorts wurden Forderungen nach einem Verbot solcher Computerspiele laut.

In der Branche übt man sich indes im Schulterschluss: Die derzeitigen Kontrollmechanismen seien ausreichend, um Kinder und Jugendliche vor Gewaltdarstellungen in Computer- und Videospielen zu schützen; eine zusätzliche Regulierung sei nicht notwendig. Stattdessen sei ein stärkeres Miteinander mit Eltern und Lehrern gefordert.

In der offiziellen Stellungnahme der USK heißt es, die Alterskennzeichnung von Computer- und Videospielen könne nur dann effektiv umgesetzt werden, wenn sie auch am Ort des Verkaufes und der Nutzung, also im Handel und im Kinderzimmer, Beachtung fände. Dazu brauche es der Unterstützung in den Familien wie in der Schule und in den Medien.

Zu dem gleichen Schluss kam letzte Woche eine politische Diskussionsrunde, die unter dem Motto "Verbot oder Selbstregulierung?" lief und vom Marktführer für interaktive Unterhaltung, Electronic Arts, veranstaltet wurde. Ein Verbot Gewalt darstellender Computer- und Videospiele löse das Problem nicht, stattdessen sei ein breiter gesellschaftlicher Dialog nötig.

Einhellig ruft die Branche dazu auf, Computerspiele nicht voreilig zu verdammen und das Potential der interaktiven Unterhaltungssoftware zu vernachlässigen. "Wer spielt, lernt gleichzeitig den Umgang mit neuen Kulturtechniken", kommentiert Thomas Zeitner, Geschäftsführer von Electronic Arts Deutschland.

Der deutsche Computerspiele-Hersteller Sunflowers weist nachdrücklich darauf hin, das sich bestimmte Spiele positiv auf die Entwicklung und das soziale Verhalten von Kindern und Jugendlichen auswirken können, beispielsweise bei der Problemlösungskompetenz oder der Konfliktbewältigung.

Vor einer zu einseitig geführten Diskussion warnt auch Frank Sliwka, Geschäftsführer des Deutschen eSport-Bundes e. V. (ESB). Ein überhöhter Medienkonsum - ob vor dem Fernseher oder dem Computer - sei lediglich ein Symptom für soziale Isolation, keinesfalls Auslöser oder Katalysator dafür.

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