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Porto für Emails beschlossene Sache

Jan W. Jan W.

Kommt die Briefmarke für Emails? Eine ganz neue Idee zum Stopfen der Löcher im Bundeshaushalt schlägt derzeit hohe Wellen, die bis nach Brüssel reichen. Ab dem 1. Juni 2010 soll auf jede verschickte Email eine elektronische Briefmarke geklebt werden. Diese schlägt mit dem auf den ersten Blick lächerlichen Betrag von einem Cent zu Buche.

Ein Cent für jede verschickte Email?

Wie der Westdeutsche und der Bayrische Rundfunk übereinstimmend auf ihren Webseiten vermelden, soll das Mailporto bereits beschlossene Sache sein. Das Bundesministerium für Post und Telekommunikation habe in Zusammenarbeit mit führenden Köpfen aus der Politik diese Maßnahme abgesegnet. Dort hofft man, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: der jährliche Versand nahezu zahlloser Mails soll zum einen die Kassen des Bundes auffüllen. Zum anderen verspricht sich die Behörde davon einen wirkungsvollen Schlag gegen Spammer. Der Knackpunkt: das Mailporto soll nur für den innerdeutschen Mailverkehr gelten. Und der Großteil der Spam-Mailer residiert bekanntlich im Ausland, wie kritische Stimmen bereits anmerken. Auch bei der EU in Brüssel sorgt der deutsche Alleingang für Unmut. Wie ein Sprecher verlauten ließ, befürchtet man dort ein bürokratisches Chaos ganz neuer Dimension. "Man denke nur an firmeninterne Kommunikation per Email. So könnte die absurde Situation entstehen, dass eine Mail an die Filiale im Inland zwar kostenpflichtig ist, die gleiche Nachricht an einen Mitarbeiter im Ausland aber nicht. Wie soll man das denn nachvollziehen und abrechnen?"

Email-Porto: Pro und Contra

Der Internetriese Google hingegen unterstützt den Vorstoß. Ein Unternehmensvertreter sprach in einem Interview mit dem Radiosender WDR2 von einem längst überfälligen Schritt. Er erwartet, dass auch andere Staaten sich nicht lange bitten lassen werden, eine solche Beförderungsgebühr zu erheben. "In Zeiten leerer Kassen wundert es mich eher, dass diese Idee erst jetzt auf's Tapet kommt", so der Google-Vertreter. "Außerdem kann das Mail-Porto den Spammern einen herben Schlag versetzen. Und dieser ist längst fällig!" Skeptiker verweisen allerdings darauf, dass die findigen Werbemailer bis dato noch immer einen Weg gefunden haben, ihre lästigen Botschaften abzusetzen. Sie fürchten, dass die kriminelle Energie am Ende doch nur wieder den uninformierten Endbenutzer zum Dummen werden lässt, der die Zeche zahlen muss. Ein Vertreter des Mail-Provider GMX kündigte dementsprechend auch schon rechtliche Schritte an. "Wir werden alles tun, um diesem Unsinn Einhalt zu gebieten und unseren Kunden auch weiterhin kostenlosen Mailversand zu ermöglichen", wird der Sprecher bei WDR2 zitiert. Geschäftstüchtige Naturen bietet schon jetzt Pakete zum Kauf an, welche die zukünftigen Portokosten vor allem für Unternehmen in einem erträglichen Rahmen halten sollen. Das Problem an diesem Angebot ist nur, dass das Porto für nicht verschickte Mails am Ende des Monats verfällt. Blanke Geschäftemacherei und Abzocke oder doch nur ein Aprilscherz? Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

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