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TrueCrypt: Version 6.0 erschienen

Oliver W. Oliver W.

Nur wenige Monate nach Erscheinen der Version 5.1a des beliebtesten Open-Source-Verschlüsselers TrueCrypt ist dessen neue Version mit der Nummer 6.0 erschienen. Wie üblich wurden wieder einige neue Features integriert und Bugs gefixt. Eins der beiden neuen Hauptfeatures ist die Nutzung von Mehrkern-Prozessoren. So erhöht sich linear zur Anzahl der Kerne auch die Arbeitsleistung. Demnach wäre ein Prozessor mit einem Kern nur halb so schnell wie ein Doppelkerner. Ein Vierkerner wäre entsprechend wiederum doppelt so schnell wie ein Doppelkerner. Da in den vorherigen Versionen die Ver- und Entschlüsselungsarbeit von nur einem einzelnen Kern übernommen wurde, wird es mit dieser Version einen enormen Leistungsschub geben, der den Nutzer kaum noch spüren lässt, dass alle Daten verschlüsselt werden. Vorher konnte man immerhin einen Unterschied feststellen, indem man beispielsweise ein Spiel von einer verschlüsselten und danach von einer unverschlüsselten Partition startet. Von der unverschlüsselten lud es sich wesentlich schneller. Dies dürfte jetzt der Vergangenheit angehören. Das andere Feature ist die verschlüsselte und versteckte Beherbergung von "versteckten Betriebssystemen". Solch ein System liegt parallel zum Hauptbetriebssystem auf der Festplatte. Der Sinn eines solchen Systems kann es sein, den Zugang zu einer bestimmten Software oder einem Passwort geheim zu halten. Wird man durch einen Angreifer oder Einbrecher dazu gezwungen den PC zu starten, so dass der Datendieb Zugang zu allen Programmen hat, sieht es düster aus. Hier wären die Daten auf dem PC schutzlos ausgeliefert. Das versteckte Betriebssystem kann allerdings nicht von einem möglichen Eindringling entdeckt werden. TrueCrypt wurde dahingehend so eingerichtet, dass das versteckte System nur als willkürlicher Datenwust zu erkennen ist. Und in diesem System kann man Zugangsdaten speichern oder Zugriffsmöglichkeiten offen lassen, die ein Angreifer im normalen System nicht sehen soll. Auf dem normalen System könnte man also zum Beispiel Büroanwendungen nutzen, spielen, Grafiken bearbeiten oder Musik hören und mit dem versteckten macht man Onlinebanking oder besucht private Webseiten. Selbstverständlich braucht dieses Feature nicht wenig Platz (je nach eingerichtetem Betriebssystem mehrere hundert, wenn nicht gar tausend, MB), doch die Sicherheit eines Rechners kann bei raffiniertem Einsatz des "hidden operating system" extrem erhöht werden. Hier ein Bild des Herstellers, welches schematisch die Funktionsweise eines solchen Systems verdeutlicht:

Ein weiteres nicht minder wichtiges Feature stellt die erweiterte Vollverschlüsselung des bereits vorhandenen Betriebssystems dar. Bis einschließlich Version 5.1a war es nur möglich Primär-Partitionen zu verschlüsseln. Primär-Partitionen sind für die Beherbergung von Betriebssystemen da. Von ihnen kann man nur vier Stück pro physikalischem Datenträger erstellen. Nutzdatenpartitionen sind jedoch meist erweiterte/logische Partitionen. Diese ließen sich jedoch nicht mitverschlüsseln, weswegen man für sie mit TrueCrypt manuell verschlüsselte Partitionen erstellen musste, in die man die Daten kopiert. Dieses Manko ist mit Version 6 nun aus der Welt. Was die Erstellung von neuen verschlüsselten Partitionen angeht, wurde auch unter der Haube gebastelt. So wurden Verlässlichkeit, Leistung und Erweiterbarkeit hochgeschraubt. Zudem enthält nun jede mit dieser Version von TrueCrypt erstellte Partition einen extra Backup-Header. Im Header ist der Schlüssel, mit dem man die Partitionen entschlüsseln kann gespeichert, natürlich nicht im Klartext. Ging ein Header verloren oder wird er beschädigt, konnte man bisher die Partition nicht mehr laden, es sei denn man hat manuell ein Backup des Header erstellt. Ab sofort legt TrueCrypt automatisch ein Backup an, was den Nutzer noch effizienter vor Datenverlust schützt. Um den Boot-Loader zu verkleinern, damit später neue Features eingebaut werden können, haben die Entwickler die Option entfernt, beim Start des PCs ein verschlüsseltes Betriebssystem dauerhaft zu entschlüsseln. Diese Option ist jedoch nicht gänzlich ausradiert. Über die Boot-CD, die man beim Verschlüsseln des Systems erstellen muss, lässt sich die Funktion dennoch erreichen. Auch für MacOS X und Linux gibts es Neuigkeiten. So lassen sich versteckte Partitionen nun auch unter diesen Betriebssystemen erstellen. Unter Windows wurde zudem noch die Geschwindigkeit erhöht, mit der der PC aus dem Ruhezustand erwacht, wenn die Festplatte(n) verschlüsselt ist/sind. Die Entwickler gaben einen Geschwindigkeitszuwachs von bis zu 20% an. Für alle, die TrueCrypt einsetzen und einen MultiCore-Prozessor haben ist die Version eine absolute Empfehlung. Allen anderen sei diese Version ebenfalls ans Herz gelegt, da sie durch die vielen Verbesserungen auch unter MaxOS X und Linux noch reifer geworden ist, als sie schon war. Wer diese nützliche  Software noch nicht im Einsatz hat und gerne seine Sicherheit erhöhen möchte, sollte sie auf jeden Fall ins Auge fassen. Download: TrueCrypt 6.0

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