Tipp

Verbot von "Killerspielen": Derzeitige Kontrollmechanismen ausreichend

Jan W. Jan W.

Nach dem Amoklauf von Emsdetten fordern einige Politiker erneut ein Verbot für so genannte Killerspiele. Nach Ansicht des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) käme dies jedoch einer Zensur gleich.

Nachdem ein 18-jähriger Mann bei einem Amoklauf an seiner ehemaligen Schule in Emsdetten mit Schusswaffen gezielt auf Schüler und Lehrer geschossen und sich anschließend selbst das Leben genommen hatte, ist in der Öffentlichkeit erneut die Diskussion um ein Verbot bestimmter Computerspiele mit gewalttätigem Inhalt entbrannt. Vielen Berichten zu den tragischen Ereignissen ist zu entnehmen, dass das Computerspiel "Counterstrike" den Täter zu der schrecklichen Tat animiert haben soll. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden, sowie die von dem Delinquenten vor seiner Tat ins Internet gestellten Informationen, dagegen auf einen sehr komplexen Tathintergrund hindeuteten. Der Täter habe sich offensichtlich in einer schwierigen und für ihn aussichtslosen Lebenssituation befunden. Dem Abschiedsbrief sei zu entnehmen, dass er in erster Linie die Schule und das soziale Umfeld für seinen verlorenen Lebensmut und seine Perspektivlosigkeit verantwortlich mache. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Konsum gewalthaltiger Medien und der Tat seien nach den bislang vorliegenden Informationen nicht erkennbar. Im vorliegenden Fall habe demnach nicht der Jugendschutz versagt. Vielmehr hätten die sozial-staatlichen Mechanismen, die Jugendlichen Orientierung und Unterstützung für ein Erwachsenenleben mit Perspektive geben sollen, nicht gegriffen.

Weiterhin appelliert der Verband an die Medien und die Politik, den Blick auf die eigentlichen Tatumstände nicht durch eine unsachliche Debatte über ein Verbot von "Killerspielen" zu verstellen. Die aktuelle Gesetzeslage verbiete schon heute die Verbreitung von "Gewalt verherrlichenden" Computer- und Videospiele auf der Grundlage des Strafgesetzbuches. Die von einigen Politikern geforderte staatliche Kontrolle der Alterskennzeichnung sei seit der Novelle des Jugendschutzgesetzes im Jahr 2003 Lebenswirklichkeit. Die Alterskennzeichnung von Spielen für Kinder und Jugendliche erfolge nicht durch eine Selbstkontrollinstitution der Industrie, sondern durch die Obersten Landesjugendbehörden der Länder. Von den Obersten Landesjugendbehörden nicht gekennzeichnete Spiele könnten jederzeit von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert werden. Deutschland verfüge damit über das engmaschigste Netz im Jugendmedienschutz. Ein generelles Verbot von Spielen für Erwachsene käme somit einer Zensur gleich, welches angesichts der vielfältigen staatlichen Mechanismen nicht gerechtfertigt sei.

Neueste Artikel