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Verbraucherschützer bemängeln unterschiedliche digitale Standards

Shawn H Shawn H

Aus Anlass der zu Ende gegangenen IFA kritisierten Verbraucherschützer den Hersteller-Poker um den digitalen Standard der Zukunft; vielen Verbrauchern drohten hohe Fehlinvestitionen. Kritik erntete auch die EU-Kommission, die für einen repressiveren Kopierschutz bei Kinofilmen eintritt.

Zum Ende der Internationalen Funkausstellung (IFA) hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) die Hersteller aufgefordert, die Systemstandards bei der Digitalisierung der Alltagsmedien besser aufeinander abzustimmen. Als Beispiel einer Fehlentwicklung nannte vzbv-Vorstand Edda Müller den anhaltenden Streit um das "richtige" Aufzeichnungssystem für die künftige hochauflösende DVD.

Pokerpartie um Standard der Zukunft

Wie die IFA gezeigt hat, geht in der digitalen Welt der Zukunft manches nicht zusammen: DVD-Standard ist nicht gleich DVD-Standard und die Videospielkonsole des einen Herstellers spielt unter Umständen nicht alle verfügbaren Spielmaterialien ab. "Wenn sich die Hersteller nicht auf einheitliche technische Standards einigen, drohen Fehlinvestitionen bei Hunderttausenden Nutzern," so Edda Müller. Statt zu pokern, den "einzig wahren" Standard zu entwickeln, sollten die Unternehmen sich von vornherein auf einen gemeinsamen Standard verständigen. Davon würden Hersteller, Handel und Nutzer gleichermaßen profitieren. Bereits heute fühlen sich nach den Erfahrungen des vzbv viele Nutzer schlecht informiert und beklagen, wie kompliziert und wenig kompatibel die neuen Techniken sind.

Privatkopien bald nicht mehr erlaubt?

Als verbraucherfeindlich bezeichnete der vzbv zudem Überlegungen der EU-Kommission für einen repressiven Kopierschutz bei Kinofilmen auf hochauflösenden DVD. Dies fordert die Unterhaltungsindustrie seit langem. "Bei allem Verständnis für die wirtschaftlichen und urheberrechtlichen Interessen der Softwarelieferanten und Rechteinhaber - wir lehnen einen Kopierschutz ab, der die Handlungsfreiheit des Verbrauchers unverhältnismäßig einschränkt und nicht einmal mehr die private Aufzeichnung erlaubt", so Edda Müller. Das gelte auch in Bezug auf die zu erwartende Übertragung hochauflösender Programminhalte via HDTV im digitalen Fernsehen. Schon heute seien im Übrigen Verfahren verfügbar, die einen wirksamen Schutz gegen illegale gewerbsmäßige Kopien bieten, die Aufzeichnung für private Zwecke hingegen nach wie vor zulassen.

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